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TNG vs. Telekom - Breitbandausbau in Bad Malente

Grafik: Vectoring-Darstellung, (c) Deutsche Telekom
Grafik: Vectoring-Darstellung, (c) Deutsche Telekom

Dieser Tage höre ich vermehrt Stimmen von frustierten Bürgern, die in Malente ihr zuhause haben. Es geht um das Thema Breitbandausbau in Malente und in den entsprechenden Ortsteilen. Das Kieler Unternehmen TNG hat den Zuschlag erhalten, in Malente ein Glasfasernetz zu bauen, sofern in den entsprechenden Ortsteilen 60% und mehr der dort ansässigen Bürger sich für einen 24-Monats-Vertrag verpflichten. Wie zu hören und zu lesen ist, wurde in vielen Ortsteilen die Quote erreicht.

Auch die Deutsche Telekom hat den Ausbau mit Vectoring-Technologie in Malente geplant und baut in (2017) die entsprechende Infrastruktur (Anschalttermin: Voraussichtlich Dezember 2017). Erwartungsgemäß werden nunmehr Stimmen laut, die DIESES VORGEHEN der Telekom stark kritisieren. Schauen wir uns einige Behauptungen einmal an:

  • "Jetzt, wo ein privates Unternehmen (gemeint ist hier TNG)  ein Glasfasernetz baut, kommt die Telekom rausgekrochen"
    Die Planungen, Malente mit Vectoring-Technologie zu versorgen, sind schon lange gesetzt. Per Selbstverpflichtung hat die Telekom zugesagt, 80% aller Haushalte mit 50 MBit/s zu versorgen. Dazu gehört eben auch Malente.
  • "Die von der Telekom verwendete (Vectoring-)Technik setzt auf alte Kupferleitungen, ist überholt und hat mit Glasfaser nichts zu tun."
    Falsch. Vectoring-Ausbau IST GLASFASER-AUSBAU bis an die Schaltkästen (KVZ) an der Strasse. Lediglich von dort wird die "letzte Meile" mit dem bereits unter der Erde liegenden Kupferkabel bis zum Kundenhaushalt überbrückt. So rückt die Glasfaser Schritt-für-Schritt dichter an den Haushalt.
  • "Die Telekom verhindert den Glasfaserausbau."
    Falsch. Seit 2010 werden rund 25.000 km Glasfaser jedes Jahr durch die Telekom verlegt, insgesamt über 455.000 km, ca. 5 Mrd. Euro/Jahr Investition jedes Jahr.  Zum Vergleich. Vodafone kommt auf weniger als 60.000 km.
  • "Vectoring wird schon in kurzer Zeit nicht mehr die erforderlichen Bandbreiten bereitstellen können".
    Aktuell können - je nach Leitungslänge vom KVZ bis in den Haushalt - bis zu 100 MBit/s im Download realisiert werden. Mit dem Nachfolgeverfahren (Super-Vectoring) werden bis zu 250 MBit/s möglich sein. Der durchschnittliche 4-Personen-Haushalt benötigt im Schnitt ca. 44 MBit/s im Download um aktuelle Anforderungen abzudecken.

Persönlich kann ich die (in Teilen) Hasstiraden nicht verstehen, oblgeich ich den Ausbau von regionalen Anbietern durchaus begrüsse. Aber unisono (seit jetzt fast 12 Jahren) führe ich täglich Gespräche im Shop über die teure Telekom. Und das nicht nur mit Kunden, die vielleicht mit 2 oder 6 Mbit/s angebunden sind sondern auch diejenigen, die 16MBit/s oder 50 MBit/s bereits haben. Nun ist es ja kein Geheimnis, dass auch "private" Anbieter aus Kiel oder Eutin Geld verdienen müssen und auch wollen. Ergo kostet dort ein 50 Mbit/s Anschluss eben auch kanpp 40.- Euro im Monat. Und ich höre schon die ersten Stimmen, die nach den ersten 2 Jahren Vertragslaufzeit dann zu 1&1 wechseln wollen, weils dort alles billiger ist. Und spätestens jetzt offenbart sich die Doppelmoral, wenn der stolze Glasfaser-Anschluss-Eigentümer feststellt, dass kein anderer Netzbetreiber einen Vertrag mit dem regionalen Anbieter hat, um dort das Vorleistungsprodukt einzukaufen.

 

Aus meiner Sicht handelt die Telekom mit dem Vectoring-Ausbau wirtschaftlich konsequent und zeitgemäß. Bandbreiten von 300, 500 oder 1000 MBit/s werden heute im Privathaushalt weder gebraucht, noch ist die Bereitschaft dafür da, diese zu bezahlen. Und wer wirklich einen Glasfaser-Anschluss bis ins Haus haben möchte, der konnte sich auch schon in der Vergangenheit von der Telekom ein Angebot machen lassen.

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Kommentare: 1
  • #1

    Manuel Grandt (Montag, 05 Februar 2018 22:36)

    Hallo vielleicht sollten Sie persönlich mal an einem Infotermin des ZVO und der Firma TNG teilnehmen und dort ordentlich zuhören. Dann werden Sie feststellen das das was Sie hier schreiben nicht der Wahrheit entspricht.

    Ich habe auch ein 50 mbits Vertrag bekomme aber nur 25 mbits da das tolle lange Kupferkabel dazwischen ist. Wenn ich 25mbits hätte wäre ich ja noch froh. Real ankommen tun aber nur 17-20 mbits ! Tolle Sache so ein Vectoringausbau. In einer Stadt vielleicht kein Problem, auf dem Dorf über lange Strecken, totaler Mist.

    Ich persönlich freue mich auf den ZVO und die TNG und hoffe das viele Bürger darauf setzen um die 60% Quote zu erreichen. Und das die Telekom ihr Alleinstellungsmonopol mal verliert.